Finanzkrise: Alle haben geschlafen

Zuletzt geändert: 21.2.2009 durch den Autor


Das haben wir nun: Die Krise ist da, unsere Bundeskanzlerin und unser Finanzminister halten trotz geänderter Rahmenbedingungen (nicht mehr Aufschwung, sondern Rezession) an der Haushaltskonsolidierung - durch Steuererhöhung, nicht etwa durch Ausgabendisziplin! - fest. Geschlafen haben alle: Mir ist jedenfalls nichts davon bekannt, dass nur ein Wissenschaftler oder Oppositionspolitiker - geschweige denn jemand von einer Regierung - rechtzeitig gewarnt hätte, bevor es zur Katastrophe kam. Und die, die sie verursacht haben: die sind dafür, dass sie die Grundsätze solider Wirtschaftlichkeit mit Füßen getreten haben, wahrscheinlich auch noch "leistungsgerecht" bezahlt worden. (Das Wort "Topmanager" bekommt in diesem Zusammenhang eine völlig neue Bedeutung: Wirklich eine Topleistung, gleich die ganze Welt in ihre größte Krise seit Jahrzehnten zu stürzen!) Privatwirtschaft: Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert, wie das eine Freundin von mir mal treffend formulierte.

Dass sich auf dem Wohnungsmarkt Angebot und Nachfrage nicht so wie auf anderen Märkten einpendeln können, habe ich per Zufall - als einer der wenigen "Auserwählten" (es war eine freiwillige Veranstaltung, also ging kaum jemand hin ;-) ) - im Studium gelernt. (Ein Überangebot mit entsprechenden Schleuderpreisen und dann natürlich auch faulen und nicht ausreichend gesicherten Krediten bleibt dort logischerweise solang die Häuser stehen - unter Umständen also jahrzehntelang - bestehen.) Nur leider war nichts von den Geschäftspraktiken bei amerikanischen Hypothekenbanken rechtzeitig zu mir gedrungen, und falls ich in die drohende Krise bemerkt hätte - mir als "dahergelaufenem Deutschen" hätten amerikanische Banker bestimmt nicht zugehört!

Unsere Apologeten des Marktes haben den Besonderheiten dieses Marktes keine Beachtung geschenkt, unsere Politiker - egal ob von Regierung oder Opposition - haben eh keine wirtschaftliche (oder sonst wie adäquate) Ausbildung - also ist die Krise da, man versucht überall zu reagieren, selbst unsere Regierung hat mittlerweile gehandelt! (Und im Bundesrat ist es nicht mal verzögert, geschweige denn blockiert worden - oh Wunder!)

Einziger Lichtblick: Die weltweite Krise senkt die Ölpreise (sowie die Zinsen), das wird die Konjunktur wieder ankurbeln. Aber da lauert schon die nächste Gefahr: Denn bis das Öl am Ende ist (und meine Generation wird das wohl locker noch erleben!), sollten wir auf andere Energiequellen (Erdwärme, Holzpellets usw.) umgestiegen sein.

Die nächste Krise ist also bereits vorherzusehen! Damit andere etwaige Krisen vielleicht bereits im Vorfeld abgefangen werden, könnte ein allgemeines Frühwarnsystem installiert werden. Beispielsweise könnten die Bundesbanker (oder besser supranational: z.B. Leute von der Weltbank) systematisch alle (oder zumindest die wichtigsten) Märkte überwachen und auch sonst die Augen offen halten.

Zu achten wäre dabei unter Anderem auf Folgendes: Drohen Angebot und Nachfrage aus dem Gleichgewicht zu geraten oder sind sie es schon? Wird sich das von alleine (in angemessener Zeit) wieder einpendeln oder sind staatliche oder sogar supranationale Eingriffe sinnvoll und machbar? Haben ein oder wenige Anbieter am Markt das sagen, oder herrscht Konkurrenz (sogenanntes Polypol im Gegensatz zu Monopol bzw. Oligopol)?Wie sieht es entsprechend auf der Nachfrage-Seite aus? Gibt es irgendwo den Verdacht auf Kartelle? (In diesem Fall wäre das Bundes- oder das europäische Kartellamt einzuschalten.) Welche Vertragsbedingungen sind üblich? Gibt es ungerechtfertigte Benachteiligungen dabei für einen der Vertragspartner? Gibt es Transparenz? Sind Schmiergelder üblich? Werden Arbeitnehmerrechte gewahrt? Werden Mindestlöhne gezahlt? Wenn nein, welche Auswirkungen hätte ein Mindestlohn? Wird der Datenschutz beachtet? Haben Herstellung oder Produkt positive oder negative Auswirkungen auf die Umwelt, die Gesundheit, den Natur- oder Tierschutz? Werden spezielle Gesetze eingehalten (beispielsweise das Kreditwesengesetz)? Sind Unternehmen regelmäßig Opfer irgendwelcher Kriminalität (Produktpiraterie, Industriespionage, Piraterie, Erpressung, Korruption usw. usf.)?

Es ist schwer zu sagen, ob so eine umfassende Überwachung möglich und sinnvoll wäre, oder ob so etwas nur den Einstieg in den Überwachungsstaat bedeuten würde. Momentan läuft es so, dass ab und zu irgendwelche Skandale durch die Presse geistern und dann schnell wieder vergessen sind. Es gibt jetzt schon viel Überwachung. Beispielsweise ist das "Bundesaufsichtsamt für das Finanzwesen" eine Selbstverständlichkeit. Das Jahrbuch für Statistik ebenso.

Betrachten wir das ganze mal aus unternehmerischer Sicht: Überwachung gehört ganz selbstverständlich zu jedem Geschäft (auch wenn sich im Prinzip niemand gerne kontrollieren lässt ;-) ). Jedes auch nur mittlere Unternehmen hat beispielsweise eine Revisions-Abteilung. Frage also nur: Würde sich das für den Staat rechnen? Meiner Ansicht nach ja: Denn selbst wenn man hundert Personen in Vollzeit ein ganzes Jahrhundert lang ausschließlich mit Überwachungsaufgaben beschäftigen würde, würde das nur einen Bruchteil vom dem Geld kosten, das uns jetzt die Finanzkrise gekostet hat (und noch wird).

Ein Amt (oder beispielsweise eine Abteilung des Wirtschaftsministeriums ), das mit der Überwachung der Wirtschaft beschäftigt ist, sollte selbstverständlich mit Wirtschaftsfachleuten und möglichst auch Spezialisten für die jeweils relevanten Märkte besetzt sein, und nicht, wie bei Ministerien so üblich, nur mit lauter Juristen. An dieser Stelle möchte ich dringend empfehlen, ein wirtschaftliches Aufbaustudium für Juristen anzubieten. Auch zusätzliche Fächer an den Schulen, beispielsweise Wirtschaft, Recht/Jura und Denkpsychologie, sehe ich schon lange als nötig an: Das würde mehr Sinn machen, als die Verkürzung der Schulzeit! (Wenn zukünftig jeder in diesen Fächern zumindest ein Grundwissen hätte, käme das sicherlich auch der Arbeit in unseren Parlamenten zugute!)

Nicht vergessen: Auch die Unternehmen sind vielfach Opfer von Kriminalität (allerdings auch oft genug auf der Täter-Seite ;-) )! (Was die Verbraucher angeht, auch die sind manchmal auf der Täter-Seite, und nicht nur Opfer: Man denke beispielsweise an die ganzen Zigaretten, die unversteuert - geschmuggelt - gekauft werden!) Die Arbeitgeberverbände sollten einmal eine Umfrage starten, ob sie eine so totale Überwachung für sinnvoll oder eher schädlich halten. Dann kann man vielleicht eher sagen, wie es damit aussieht.



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Harald K., E-Mail: eumel100@web.de


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